Purkersdorf ist von Wald umgeben: 83 % unseres Gemeindegebietes bestehen aus Waldflächen. Wie sieht nun die Zukunft dieser für uns wichtigen Flächen angesichts des Klimawandels aus? Der Wandel ist – auch wenn es für viele noch nicht so stark bemerkbar ist, längst angekommen. Fachleute beobachten deutliche Veränderungen, die Auswirkungen auf Natur, Mensch und Forstwirtschaft haben. Ein Vortrag im Rahmen der jüngsten Informationsveranstaltung im Rahmen der Kooperation der Stadtgemeinde mit den Österreichischen Bundesforsten zeigte, vor welchen Herausforderungen der Wald steht und welche Maßnahmen notwendig sind, um seine vielfältigen Funktionen auch künftig zu sichern. Dr. Alexandra Wieshaider, bei den Bundesforsten zuständig für Waldbau und Naturschutz, bot spannende Einblicke in die Zukunft dieses so wichtigen Ökosystems.
Für alle, die nicht dabei sein konnten, hier eine Zusammenfassung.
Klimaveränderungen im Wienerwald
Die vergangenen Jahre verdeutlichen einen klaren Trend:
- Der Niederschlag verteilt sich zunehmend ungleich. Längere Trockenperioden wechseln mit Starkregenereignissen, die der Boden schlechter aufnehmen kann.
- Schnee wird zur Ausnahme. Durchgängige Schneedecken treten kaum mehr auf.
- Die Temperaturen steigen, vor allem im Sommer. Hitzetage und Tropennächte nehmen zu.
- Dürreperioden über mehrere Wochen hinweg sind wahrscheinlicher.
- Sturmereignisse nehmen sowohl an Häufigkeit als auch an Intensität zu. Sie können erhebliche Schäden an den Waldbeständen und an der Infrastruktur verursachen.
Diese Entwicklungen haben nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen.
Welche Aufgaben soll der Wienerwald künftig erfüllen?
Der Wienerwald ist mehr als ein Erholungsraum. Er erfüllt gleichzeitig mehrere wichtige Funktionen für den Menschen:
- Nutzfunktion: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Seine Nutzung muss weiterhin nachhaltig erfolgen – es darf nicht mehr geschlägert werden, als nachwächst.
- Schutzfunktion: Wälder schützen vor Erosion, stabilisieren den Boden und bewahren Siedlungen vor Naturgefahren.
- Erholungsfunktion für den Menschen: Besonders an heißen Tagen bietet der Wald eine natürliche Abkühlung und dient als wichtiger Freizeitraum.
- Wohlfahrtsfunktion: Er liefert sauberes Wasser, filtert die Luft und wirkt klimaregulierend.
- Lebensraumfunktion: Rund 33 Waldtypen beherbergen eine Vielzahl an Pflanzen, Tieren, Pilzen und Flechten. Der Eichenwald etwa gilt als besonders artenreich.
Diese Funktionen sollen auch künftig uneingeschränkt erhalten bleiben. Dafür ist ein anpassungsfähiger und widerstandsfähiger („resilienter“) Wald notwendig.
Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald
Lange Wärmeperioden und milde Winter begünstigen die Ausbreitung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer wie dem Buchdrucker, die ganze Waldbestände vernichten können. Gleichzeitig schwächen Stürme („Windwürfe“) die Wälder zusätzlich.
Jede Baumart hat spezifische Schädlinge – und viele profitieren von den neuen klimatischen Bedingungen. Daher braucht es neue Strategien im Waldbau.
Der Wienerwald der Zukunft: Mischwald und Naturverjüngung
Fachleute sind sich einig: Der Wald der Zukunft ist ein Mischwald. Unterschiedliche Baumarten erhöhen die Stabilität des Bestandes und machen den Wald widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen, Hitze und Trockenheit.
Wichtige Bausteine:
1. Hitze- und trockenheitsresistente Baumarten
- Die Eiche ist deutlich toleranter gegenüber Trockenheit als die Buche.
- Auch Tannen kommen mit Wärme relativ gut zurecht.
- Die Douglasie zeigt starke Zuwächse und gilt als Ersatzbaumart für die Fichte – sie wird jedoch nicht großflächig gepflanzt und wird nicht in Monokulturen eingebracht, wie die Bundesforste betonen.
2. Naturverjüngung statt Pflanzung
Wo immer möglich soll der Wald sich selbst verjüngen. Die Samen alter Eichen oder Tannen liefern das passende genetische Material für künftige Bedingungen. Pflanzungen sind nur noch in Ausnahmefällen sinnvoll.
3. Mehrschichtige Wälder
Unterschiedlich hohe Baumgenerationen erhöhen die Stabilität. Arten wie Tanne und Rotbuche wachsen gut unter dem „Schirm“ älterer Bäume.
4. Konsequente Pflege und Schutz des Bodens
- Förderung junger, gewünschter Baumarten und Zurücknahme von Konkurrenzbäumen.
- Vermeidung von Schäden durch schwere Maschinen.
- Schutz vor Wildverbiss durch angepasstes Wildtiermanagement.
- Stehendes Totholz bleiben zu lassen – es bietet Lebensraum für Nützlinge.
5. Forschung und Experimentierfreude
Für besonders trockene Standorte werden neue Bewirtschaftungsmodelle erprobt. Dazu gehören die Beimischung von Arten wie Kiefer, Lärche oder Birke sowie neue Konzepte der Pflege und Durchmischung.
Auswirkungen auf die Forstwirtschaft
Auch der Arbeitsalltag im Wald verändert sich:
Früher war der Winter die typische Zeit für Holzschlägerungen – gefrorene Böden verhinderten Bodenschäden. Heute fehlen Frosttage häufig. Stattdessen verlagert sich die Nutzung in den Spätsommer und Herbst, wenn der Boden durch Trockenheit härter ist.
Allerdings erschweren belaubte Bäume und die Notwendigkeit, Maschinen bodenschonender einzusetzen (z. B. Transport per Seil), solche Arbeitstechniken und erhöhen die Kosten.
Fragen aus der Bevölkerung
- Hat der Klimawandel schon Auswirkungen auf die Forstwirtschaft?
Ja, der Arbeitsalltag im Wald verändert sich: Früher war der Winter die typische Zeit für Holzschlägerungen – gefrorene Böden verhinderten Bodenschäden. Heute fehlen Frosttage häufig. Stattdessen verlagert sich die Nutzung in den Spätsommer und Herbst, wenn der Boden durch Trockenheit härter ist.Allerdings erschweren belaubte Bäume und die Notwendigkeit, Maschinen bodenschonender einzusetzen (z. B. Transport per Seil), solche Arbeitstechniken und erhöhen die Kosten. - Gibt es schon ein "Buchensterben"?
Die Buche leidet stark unter Trockenheit. Auf extremen Standorten können Bestände zurückgehen. - Wie ist die Strategie der ÖBf im Hinblick auf ein Eingreifen in alle Gebiete - versucht man, überall einzugreifen?
Die Österreichischen Bundesforste bestätigen, dass sie in Kernzonen nicht eingreifen. Hier muss nur befallenes Schadholz, das eine Gefahr für den umgebenden Wirtschaftswald sein könnte, entfernt. Die Holzernte wird teils bewusst reduziert, um Vorräte aufzubauen und der Natur Raum zu geben.
Der Wienerwald steht vor großen Herausforderungen. Doch mit einem vielfältigen, widerstandsfähigen Mischwald und einer an das Klima angepassten Bewirtschaftung kann er seine wichtigen Funktionen auch in Zukunft erfüllen – als Lebensraum, Klimaschützer, Erholungsgebiet und nachhaltiger Holzlieferant.