Weg-Benennung in Erinnerung an Amalie Redlich

Amalie Redlich Weg

GR Gabriele Eisenriegler-Bunyai, GR Anja Rechberger, STr Jasmin Klemmer-Schlögl, BGM Stefan Steinbichler

„In Purkersdorf gibt es nur drei Verkehrsflächen mit Bezeichnungen, die an Frauen erinnern. Das wollen wir ändern“, so Gemeinderätin Gabriele Eisenriegler-Bunyai. Daher wurde im Gemeindegebiet nach einem bis dato unbenannten Weg gesucht. Gefunden wurde ein Weg, der idyllisch entlang des Wienflusses Richtung Stadtgrenze führt. Auch eine Purkersdorfer Persönlichkeit, an die dieser Weg fortan erinnern sollte, war rasch gefunden – die Nähe des Weges zum Sanatorium Hoffmann-Park legte die historische Persönlichkeit Amalie Redlich nahe. Diese wohnte im Bereich des Sanatoriums in der Anton Wenzel Prager-Gasse. 

Hier ein kurzer geschichtlicher Abriss, zur Verfügung gestellt von Historiker Dr. Christian Matzka:

Amalie Redlich

„Amalie Redlich, im Jahre 1868 als Amalie Zuckerkandl in Budapest geboren, war die Mutter von Mathilde Jorisch und die Großmutter von George Jorisch.  In zweiter Ehe war sie mit dem Neuropathologen Univ. Prof. Dr. Emil Redlich, dem Direktor der Rothschild‘schen Nervenheilanstalt in Wien-Döbling, verheiratet. 

Nach dem Tode ihres Bruders Victor Zuckerkandl und dessen Frau Paula erbte sie Anteile am Sanatorium Purkersdorf und auch Teile der Kunstsammlung des Bruders. Sie besaß daher Gemälde von Gustav Klimt und Ferdinand Georg Waldmüller. 

Nach der Übersiedelung nach Purkersdorf wohnte sie mit der Tochter Mathilde und dem Enkel Georg in Bereich des Sanatoriums in der Anton Wenzel Prager- Gasse. 

Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht am 12. März 1938 war sie mit ihrer Familie Opfer der Anschlusspogrome, indem sie zum Reinigen der Gehsteige gezwungen wurde. Bald nach der Okkupation Österreichs erfolgte die Enteignung der Familie Zuckerkandl. Das Sanatorium wurde unter kommissarische Verwaltung gestellt und im Jahre 1939 von Hans Gnad übernommen. Zuerst durfte Amalie Redlich in ihrer Wohnung verbleiben. Später erfolgte die Vertreibung in die Sammelwohnung Wienerstraße 33. Von dort erfolgte die Deportation gemeinsam mit ihrer Tochter Mathilde Jorisch am 23.10.1941 nach Litzmannstadt/Lodz. Beide haben die Shoah nicht überlebt. 

George Jorisch, Amalie Redlichs Enkel, überlebte mit seinem Vater in einem Versteck in Brüssel und stellte mit seinen überlebenden Verwandten den Restitutionsantrag. Das Verfahren schleppte sich bis zu einem für die Überlebenden ungünstigen Vergleich mit der Familie Gnad im Jahre 1952 dahin. 

Nach der Pensionierung begann George Jorisch, der in den 1950er Jahren mit seiner Gattin nach Montreal übersiedelte, mit der Suche nach den Kunstwerken aus dem Besitz seiner Großmutter. Eine Privatperson gab das Klimt Bild           „Kirche in Cassone“, das Salzburger Landesmuseum „Litzlberg am Attersee“ von Gustav Klimt an George Jorisch zurück. Das Waldmüller Gemälde „Der Schulgang“ kaufte G. Jorisch aus Privatbesitz zurück und schenkte es als Zeichen der Dankbarkeit für die Aufnahme in Kanada dem Museum „Beaux Arts“ in Montreal. 

Nach der Versteigerung des Bildes „Litzlberg am Attersee“ im Jahre 2011 in New York, gab George Jorisch dem Salzburger Landesmuseum eine Millioneneurospende zur Renovierung des Wasserturms am Mönchsberg in Salzburg, der Teil des Museums der Moderne ist. Seit dem Jahre 2014 trägt der Turm den Namen „Amalie Redlich-Turm“. 

Auf dem von der Stadtgemeinde Purkersdorf am Friedhof im Jahre 2005 errichteten Gedenkstein für die Opfer der Shoah sind Amalie Redlich und Mathilde Jorisch namentlich genannt.“ 

 

Gemeinderat stimmt für Namensnennung

Den Vorschlag von Frau Eisenriegler-Bunyai griff die damalige Kulturstadträtin Anja Rechberger gerne auf, sie stellte Recherchen an und brachte schließlich den Antrag in der Gemeinderatssitzung ein. „Ich bin ja sehr interessiert an Geschichte und forsche gerne nach historischen Details. Die Geschichte von Amalie Redlich hat mich berührt, daher habe ich die Initiative sehr gerne unterstützt. Der Weg soll aber nicht nur an Amalie Redlich erinnern, er soll auch für viele andere Frauen aus Purkersdorf stehen, die zu dieser Zeit Opfer des Nationalsozialismus wurden.“

Auch Frauen-Stadträtin Jasmin Klemmer-Schlögl freut sich, dass es nun eine weitere Gasse gibt, die einen Frauennamen tragen wird. „Das ist ein schönes Zeichen und ich bin sicher, wir finden weitere Möglichkeiten, um auch im Stadtbild verdiente weibliche Persönlichkeiten sichtbarer zu machen.“

Der neue Amalie Redlich-Weg liegt in unmittelbarer Nähe zum Sanatorium Purkersdorf, führt entlang des Wien-Flusses zur Kenzelbrücke und wird besonders im Sommer sehr gerne genutzt.


Berührende Nachricht der Nachfahrin

Die in Kanada lebende Urenkeltochter von Amalie Redlich, Edith Jorisch, wurde vorab von dem Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Sie schrieb an die zuständige Stadträtin: 

„Das ist eine so wunderbare und bewegende Nachricht. Ich werde sie meinem Vater und seinen Geschwistern erzählen; auch sie werden tief berührt sein. Ich würde das Straßenschild sehr gerne einmal sehen, sobald es angebracht ist. Vielen Dank für Ihren Vorschlag, mir Fotos zu schicken; das würde ich sehr schätzen.

Vielen Dank für diese bedeutungsvolle Geste des Gedenkens. Gerade in diesen chaotischen und angespannten Zeiten, in denen Angst und Intoleranz die Menschen immer noch spalten, brauchen wir sie so sehr. Sie schenken uns Wärme und Hoffnung.

Herzliche Grüße aus Montreal.“

29.01.2026