Die Freundschaft zwischen den Städten Sanary-sur-Mer und Purkersdorf hat ein weiteres sichtbares Zeichen dazubekommen. Am 8. August wurde die Brücke zum Naturpark feierlich als „Sanary-sur-Mer-Brücke“ benannt. Eine Delegation aus Frankreich war angereist, um beim Festakt dabei zu sein.
Stadträtin Anja Rechberger moderierte die von Elena Rozanova auf der Geige und Andriy Velychko am Cello musikalisch umrahmte Brückenfeier und freute sich „dass diese Städtepartnerschaft mit ihren kulturellen und freundschaftlichen Verbindungen durch die Initiative aller Beteiligten so toll gelebt wird.“ In Zukunft wünscht sie sich, dass dazu auch die eine oder andere wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Städte kommt. Sie war auch für die inhaltliche Ausrichtung des Programmes verantwortlich und koordinierte die Vorträge der Redner.
„Die Idee der Städtepartnerschaften entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, mit dem Ziel, nach dem Schrecken des Krieges die Völker Europas einander wieder näher zu bringen und Verständnis füreinander zu fördern“, erzählt Alt-Bürgermeister Karl Schlögl zu Beginn des Festaktes von den Ursprüngen. „Nicht nur die Regierenden sollten zusammentreffen, sondern Menschen quer durch die Bevölkerung und aus unterschiedlichen Schichten – sei es bei kulturellen oder wirtschaftliche Veranstaltungen, oder beim gegenseitigen Besuch von SchülerInnen und Studierenden.“ Seit den 1973 gab es bereits eine Städtepartnerschaft zwischen Purkersdorf und dem deutschen Bad Säckingen, 2002 kam nicht nur das niederösterreichische Göstling an der Ybbs dazu, sondern eben auch Sanary-sur-Mer in Frankreich. Die Stadt mir rund 18.000 Einwohnern liegt im Südosten Frankreichs am Mittelmeer, 13 km westlich von Toulon und 49 km südöstlich von Marseille. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich viele Maler und Schriftsteller aus ganz Europa in dieser Gegend angesiedelt und auch in den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland hielten sich in der Stadt viele deutsche Exilanten auf, darunter auch berühmte Persönlichkeiten wie Bertolt Brecht, Albert Drach, Lion und Marta Feuchtwanger, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, Stefan Zweig, Egon Erwin Kisch, Katja und Thomas Mann, Heinrich Mann und Joseph Roth.
„Schon bei der ersten Exkursion nach Sanary-sur-Mer haben sich alle TeilnehmerInnen in die charmante Stadt am Meer verliebt, in der keine nobler Chic, sondern das ganz normale zu französische Leben eines Hafenstädtchens zu finden ist und Brauchtum hochgehalten wird“, erinnert sich Karl Schlögl. 2002, anlässlich der 55-Jahre Feier der Stadterhebung von Purkersdorf, wurde die Partnerschaft gegründet. Seither gab es viele gegenseitige Besuche und freundschaftlichen Austausch. Jedes Mal besuchte die Delegation aus Purkersdorf auch den nach unserer Stadt benannten Kreisverkehr. Und natürlich wurde immer wieder überlegt, welchen Ort man in Purkersdorf nach der französischen Schwesternstadt benennen könnte. Mit der Brücke, die das Stadtzentrum mit dem Naturpark verbindet, fand sich nun eine wunderbare Gelegenheit. Sie steht als Brücke auch für die Verbundenheit der beiden Städte.
„Ich werde oft gefragt: Warum gibt es heute noch Städtepartnerschaften, wo wir in unserer digitalen Welt doch jede Stadt nach Hause auf den Bildschirm holen und in kurzer Zeit um die ganze Welt reisen können? Ich denke, es gibt sie deshalb immer noch, weil persönlicher Kontakt gerade in unserer schnelllebigen Zeit unersetzbar ist. Wir werden uns künftig mit unserer Partnerstadt auf vielen digitalen Ebenen und vielleicht auch schneller austauschen, doch der persönliche Kontakt darf nie aufgegeben werden, um das Miteinander zu pflegen“, gab sich Bürgermeister Stefan Steinbichler überzeugt. Dabei wurde er von seinem Amtskollegen aus Sanary-sur-Mer, Daniel Alsters, aufs vollste unterstützt: „Diese Brücke als konkretes Symbol unserer Freundschaft ist mehr als ein Bauwerk, es verkörpert unsere menschlich und freundschaftlich zutiefst empfundene Partnerschaft. Partnerstädte setzen ein bewusstes Zeichen, Gemeinschaft zu teilen, Freundschaften zu knüpfen, Herausforderungen zu meistern, individuelle Kultur- und Lebensart anzuerkennen.“ Ganz besonders würdigte er auch die Rolle des Freundeskreis Sanary-sur-Mer und Obmann Andreas Offenborn, der die Idee zur Brückenbenennung hatte und die Initiative ergriff: „Sie sind die wahren Erbauer einer Brücke. Denn Einheit kann nicht verordnet, sondern muss kultiviert werden. Die Brücke Sanary-sur-Mer hier im Wienerwald ist eine Ehre für unsere Stadt!“
Auch Fritz Ofenauer, Abgeordneter zum Nationalrat und in Vertretung für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner angereist, gratulierte zur Benennung der Brücke: „Initiativen wie diese sind wichtig, um gegenseitiges Kennenlernen und Verständnis zu fördern. Brücken werden leider viel zu oft abgebrochen. Friede ist ein Zustand, der immer wieder erarbeitet und gestärkt werden muss. Gleichzeitig werden uns im Austausch mit einer Partnerstadt auch die für uns schon ´selbstverständlich´ gewordenen Vorzüge unserer Heimatstadt bewusst – für Sanary-sur-Mer ist es wahrscheinlich das Meer, das BesucherInnen so fasziniert und beglückt, für Purkersdorf vielleicht der Naturpark und der Wienerwald, den wir hier vor unserer Haustüre haben.“
Zum Abschluss des Festaktes beeindruckten zwei jungen Stimmen mit einer berührenden Rede. Amélie Fritz und Anna Hülber, Schülerinnen des Gymnasiums Purkersdorf, fassten ihre Sicht zum Thema Brücken und Brückenbau sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache zusammen. Neben den Brücken als Bauwerke kamen sie dabei auch auf symbolische Brücken zurück, die zwar unsichtbar, aber sehr wichtig sind: „Der Bau einer Brücke erfordert vor allem Verständigung, nur, wenn man aufeinander zugeht, ist er möglich. Zuneigung, Vertrauen, Respekt, aber auch die Fähigkeit, Grenzen zu respektieren, sind die Zutaten einer stabilen, belastbaren Freundschaft und unerlässliche Bausteine für den Bau. Ist diese Brücke auf festem Fundament gebaut, stürzt sie auch nicht gleich ein, wenn Meinungen oder Vorstellungen einmal differieren.“
Die Delegation aus Sanary-sur-Mer verbrachte im Rahmen der Einladung einige Tage in Purkersdorf, besichtigte unter anderem das Mahnmal für Frieden und Demokratie und besuchte die Gablitzer Brauerei. Auch Ausflüge nach Wien und Klosterneuburg standen auf dem Programm, die Mitglieder des Freundeskreises Sanary-sur-Mer kümmerten sich ehrenamtlich um die Abwicklung und halfen auch bei der Bewältigung von Sprachbarrieren gerne aus.
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