Leben mit großer Belastung: der Stammtisch hilft

Stammtisch

Sorgen werden manchmal schon dann ein wenig kleiner, wenn man darüber spricht. Deshalb hat Andrea Alder den „Stammtischpflegende Angehörige“ ins Leben gerufen. Ob zu Hause betreut wird, oder in einer Einrichtung untergebracht, ob mit oder ohne 24 h-Betreuung – jede und jeder ist willkommen, der einen Angehörigen betreut.

Etwa 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden zu Hause durch Angehörige gepflegt. Diese Pflege ist eine große Verantwortung, die sowohl körperlich als auch psychisch fordernd sein kann. Beim „Stammtisch für pflegende Angehörige“, der einmal im Monat donnerstags im Rathaus von Purkersdorf stattfindet, kann man sich untereinander austauschen und mentale Unterstützung holen. 

Andrea Alder ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin mit Zusatzausbildung in der Lebens- und Sozialberatung und kennt die Sorgen und Wünsche von pflegenden Angehörigen aus langjähriger Erfahrung. „Unser regelmäßiger Stammtisch findet nun schon im 5. Jahr statt“, erzählt sie, ehe an diesem Nachmittag die ersten TeilnehmerInnen eintreffen. „Ich hatte im Rahmen meiner Arbeit in der Pflege- und Angehörigenberatung immer mehr das Gefühl entwickelt, dass die Menschen bei den Beratungsgesprächen viel von mir lernen, aber der gegenseitige Austausch von Betroffenen untereinander ebenso wichtig ist. Aus dieser Überlegung entstand die Idee, den „Stammtisch pflegende Angehörige“ hier in Purkersdorf, meinem Wohnort, ins Leben zu rufen. Derzeit haben wir etwa 15 regelmäßige TeilnehmerInnen. Hier kommt kann jede und jeder aus seiner Lebenssituation erzählen, wenn er möchte, kann aber auch nur zuhören. Ich moderiere unsere Treffen und achte darauf, dass jeder zu Wort kommt, wenn es ihm ein Bedürfnis ist, zu erzählen.“ 

Dabei reichen die Themen vom formalen Schwierigkeiten, wie dem Einreichen von Anträgen oder Problemen mit dem Pflegegeld bis zu sehr emotionalen, wie der täglichen Belastung, die oft überfordert, oder dem Eingeständnis, dass man es einfach alleine nicht mehrschafft. Es geht darum Erschöpfung zuzugeben, Hilfe einzufordern, andere Familienmitglieder anzusprechen, Selbstzweifel zu zerstreuen. „Wir versuchen, auch eine gewisse Leichtigkeit in schwere Themen zu bringen. Und natürlich darf auch gelacht werden und der Spaß nicht zu kurz kommen. Das Wichtigste dabei ist ein wertschätzender Umgang miteinander,“ meint Andrea Alder und erzählt: „Mir macht die Arbeit beim Stammtisch Freude, weil ich mit meinem Wissen beitragen und weiterhelfen kann. Und manchmal frage ich auch einfach in die Runde: Und was sagen die anderen dazu?“

An diesem Nachmittag sind acht Frauen und vier Männer gekommen, einige kennen einander schon und man merkt, dass sie sich schon auf das Treffen gefreut haben. Ausmanchem sprudelt es sofort los, das Bedürfnis, von den Aufregungen der letzten Wochen zu erzählen, andere warten noch zu, ehe sich zu Wort melden. 

 Andrea Alder moderiert das Gespräch souverän auf ruhige, erfahrene Art. Dabei fallen auch Sätze wie: „Du hast nicht falsch gemacht. Das darfst du auch delegieren. Es ist dein gutes Recht, dir auch für dich selbst Zeit zu nehmen.“ Hier wissen mittlerweile alle, dass man als pflegender Angehöriger auch auf sich selbst achten muss und bekräftigen einander in dieser Gewissheit. Wenn es einem selbst nicht gut geht, kann man eine so schwere Aufgabe auf Dauer nicht bewältigen.

„Ich bin sehr froh, dass es diesen Stammtisch gibt“, erzählt eine Teilnehmerin, hier fühle ich mich verstanden, weil es den anderen in vielen Dingen ähnlich ergeht. Und Andrea findet dabei immer die richtigen Worte – motivierend, beruhigend, bestärkend.“

Anmeldung bei Mag.a Andrea Alder, MBA unter andrea.alder@gmx.at oder0650 9904882.

02.09.2025