Laudatio von Dr. Christian Matzka an Karl Schlögl zum 70. Geburtstag

Christian Matzka

Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau, 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, 

Hohe Geistlichkeit, 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

Liebe Familie Schlögl, 

Lieber Karl, 

 

Wir sind heute zusammengekommen, um den 70. Geburtstag von Karl Schlögl zu feiern. Dies ist ein würdiger Anlass, den wichtigsten und bedeutendsten Bürgermeister Purkersdorfs seit 1849, als selbstständige Gemeinden entstanden, hoch leben zu lassen. 

Geboren in Wien, entstammt Karl Schlögl Familien, die im Wienerwald verwurzelt waren und sind.  Nachdem sein Vater als Förster nach Purkersdorf versetzt wurde, lebte Karl seit seinem fünften Lebensjahr in Purkersdorf im Forsthaus der Österreichischen Bundesforste. Hier sieht man, dass die Ansiedelung der Unternehmensleitung der ÖBF AG in Purkersdorf schon pränatal angelegt war. 

Nach dem Volksschulbesuch in Purkersdorf, der auch einige Zeit wegen Platzmangels im Rathaus stattfand und möglicherweise schon beim Volksschüler Karl den späteren Karriereweg vorzeichnete, ereilte Karl das Schicksal des Tagespendelns nach Wien, ein Schicksal, das er mit vielen PurkersdorferInnen, die eine höhere Schule besuchen wollten/sollten, teilte. Die Westbahn, die ihn nach Wien in die Diefenbachgasse brachte, wurde auch für Ihn zu einem wichtigen Teil des Schülerlebens. Die Pendlerproblematik und die Abhängigkeit von den Launen der öffentlichen Verkehrsmittel erlebte Karl schon als Gymnasiast. 

Seinen eigenen Aussagen folgend, war Bruno Kreisky die Schlüsselfigur der SPÖ, die ihn, den Ministranten und Sohn aus bürgerlicher Familie in der Jugend zur Sozialdemokratie brachte. 

Sehr wichtig für sein späteres Leben waren die Erfahrungen als Mitarbeiter in der Gastronomie der Familie mütterlicherseits. Der Umgang mit vielen unterschiedlichen Menschen und Ihren Wünschen konnte dabei erlernt und perfektioniert werden. 

Bald stieg er in der Gemeinde-, Bezirks- und Landesorganisation der sozialistischen Jugend und der SPÖ auf, lernte Franz Vranitzky kennen, der für Ihn ein ganz wichtiger Mentor in der Politik wurde.  

Karl Schlögl gründete eine Familie mit Ingrid, der die beiden wunderbaren Töchter Verena und Jasmin entsprangen. Manchmal hatte man das Gefühl, bei Karl hat der Tag 48 Stunden, denn er versuchte immer den Fulltimejob als Politiker mit seinen familiären Vorstellungen zu verbinden. Das war sicherlich nicht einfach und brauchte auch viel Verständnis bei Ingrid und den Kindern. 

Neben Familie, Beruf, Politik studiere Karl Jus, Politikwissenschaften und Geschichte und schloss mit dem Diplom als Magister ab. 

Beruflich war er lange Zeit in der SPÖ Landesorganisation und in der SPÖ Bundesparteizentrale beschäftigt und organisierte Wahlkämpfe für Franz Vranitzky, dessen persönlicher Mitarbeiter er war. Diese Fertigkeiten und Kenntnisse konnten wir alle bei Gemeinderatswahlen erleben. Da blieb nichts dem Zufall überlassen und Karls Bauchgefühl wurde immer durch die nüchternen Aussagen von Beratern überprüft, wobei Karl sich meistens durchsetzte. Der Erfolg gab ihm immer recht. 

Die politische Karriere, die ihn in alle politischen Gremien der Gebietskörperschaften brachte, war immer mit Purkersdorf verknüpft. Gemeinderat 1985 bis 2018, Bürgermeister 1989 bis 1997, Bundesrat 1987, Abgeordneter zur Nationalrat 1991, Staatssekretär und Bundeminister für innere Angelegenheiten 1996-2000. Landeshauptmannstv, 2000/2001, Bürgermeister 2000-2018.  

Auf meine Frage, welche Funktionen für ihn die interessantesten und wichtigsten waren, hat er immer Bürgermeister von Purkersdorf und Bundesminister genannt. Wobei immer durchzuhören war, dass das Herz besonders für Purkersdorf schlägt. Dies zeigte sich auch bei der Hochwasserkatastrophe 1997, als der damalige Bundeminister Purkersdorf zum Katastrophengebiet erklärte und eine Pioniereinheit des Bundesheeres die Brücke bei der Fahrschule wieder errichtete. 

Die Verknüpfung der unterschiedlichen Gebietskörperschaften, wobei es da immer um das Zusammenbringen von Entscheidungsträgern geht, war Karls große Stärke. Er ist ein Verbinder, kann mit vielen Menschen, sieht fast immer die positiven Seiten, versucht Konflikte zu lösen. Die Gründung des Gymnasiums Purkersdorf als Privatschule der Stadtgemeinde im Jahre 1996 war eine Meisterleistung des Bürgermeisters Karl Schlögl. Die Gemeinde als Schulerhalter, der Bund zuständig für die Bezahlung der Lehrkräfte, die Kontakte zum Landesschulrat und Landesregierung, in der Folge die Änderung des Landesraumordnungsprogrammes für Schulen, indem Purkersdorf ein Standort für eine höhere Schulen wurde,  die Vorfinanzierung des Schulbaus, die Errichtung durch die WIPUR  und die Übernahme durch den Bund als Schulerhalter im Jahre 2002, sind ein Beispiel, was möglich ist, wenn Menschen positiv durch den Verbinder Karl Schlögl zusammengebracht werden. Dies betonte auch Bundeministerin Elisabeth Gehrer anlässlich der Eröffnung des ersten provisorischen Schulgebäudes im Jahre 1996. 

Die Menschen stehen bei Karl Schlögl immer im Vordergrund. Menschen, die Arbeit oder Wohnung suchen, einen Kindergarten- oder Schulplatz brauchen, Hilfe und Rat benötigen. Er hat sich die Nöte angehört und versucht Lösungen zu finden. Zu Beginn seiner Amtszeit waren es ca 6000 Menschen in Purkersdorf, am Ende ca 10 000, die ihm besonders neben allen anderen 8 Millionen in Österreichern oder den Menschen auf der Erde, Karl hat auch in den Entwicklungsländern Patenkinder, am Herzen liegen. Zur Zeit des Jugoslawienkriegs hatten Karl und Ingrid auch Flüchtlinge beherbergt. 

Bei unserem Ausflug nach Sanary im Jahre 2012 trat seine ganze Fürsorge zu Tage. Wir mussten 30 Personen nach dem Ausfall das Fluges in Nizza unterbringen und mit anderen Flügen nach Hause schicken. Als Karl, Gabi, Raimund Boltz und ich auf den letzten Flug warteten und alle anderen schon unterwegs oder zu Hause waren, konnte man richtig den Felsbrocken fallen hören, der Karl vom Herzen gefallen ist. 

Viele Jahre hat sich Karl Schlögl für den Bau von leistbaren Wohnungen eingesetzt. Er hat die Gemeinde immer als Player im Bereich der Wohnbaupolitik verstanden. So sind Wohnbauten durch Baurecht auf Gemeindegrundstücken entstanden. Wohnbauträger, zu denen eine persönliche oder auch politische Nähe bestand, das muss nicht immer nur parteipolitisch gedacht sein, wurden in Purkersdorf aktiv und überließen der Stadtgemeinde die Vergabe der Wohnungen. Viele Menschen, auch aus umliegenden Gemeinden, kamen als Wohnungssuchende, da es in ihren Gemeinden weniger verfügbaren Wohnraum gab.  

Da wurde sichtbar, dass die Wiege sozialdemokratischer Politik, wie sie immer verstanden wurde, in der Kommunalpolitik zu suchen ist. Dort kann gezeigt werden, was man für Menschen tun kann und das Leben gestalten kann. 

Lassen Sie mich jetzt einige Leuchtturmprojekte (ein gegenwärtiges Modewort der Politik) erwähnen. 

Wohnbauten, Gymnasium, Unternehmensleitung der Österr. Bundesforste, Sozialzentrum Senecura, Senorenresidenz Hoffmannpark, Bildungszentrum, Renovierung der Volks- und Mittelschule, Kindergarten I, II, III, IV, PUKI, Umbau des Wienerwaldbades, Renovierung und Neugestaltung des Hauptplatzes, Rathaus Renovierung, Fertigstellung Kanalbau, Fernheizwerk, Feihlerhöhe usw. Wir könnten jetzt ein Brainstorming machen…..

 

Purkersdorf ist dort, wo Karl Schlögl Bürgermeister ist (Hotelier in Südtirol) 

Karl Schlögl hat Handschlagqualität. 

K. S. kennt alle PurkersdorferInnen beim Namen. 

K. S. ist der Bürgermeister der Herzen. 

K.S. ist Ehrenbürger von Purkersdorf, St. Anton/Arlberg 

K:S. hat den Briefbombenattentäter gefasst 

K.S. hat das Schengener Abkommen für Österreich verhandelt. 

K.S. ist erfolgreicher Unternehmer   

 

Karl ist begeisterter Familienmensch. Im Ruhestand widmet er sich seiner Familie. Mit seiner Gattin Gabi ist er als Großvater für seine „Viererbande“, wie er liebevoll seine Enkelkinder nennt, da.  

Karl und Gabi sind viel auf Reisen. Auf what‘s app kann man dies mitverfolgen. Wobei man meint, sie sind noch weit entfernt, sieht man Karl schon wieder in Purkersdorf. 

Sport war und ist für Karl zeitlebens sowohl aktiv als auch passiv ein Teil seines Lebens. Regelmäßige Laufrunden im Wienerwald, aber auch der New York Marathon werden und wurden vom ihm absolviert. Als Hobbyfußballer ist er Rapid Fan mit Leib und Seele, was die regelmäßigen Besuche der Spiele von Rapid Wien zeigen. 

Nach mehreren Jahren des politischen Gegeneinanders im Purkersdorf der 1980er Jahre gelang es Ihm, das Vertrauen vieler Purkersdorfer:innen zu erlangen und eine Gemeinschaft zu entwickeln, in der sich viele Menschen einfinden konnten. Britta Nahler, Purkersdorfs Oscar Preisträgerin, sagte im Film zu 50 Jahre Stadterhebung: Es ist so, als wäre eine Glocke über der Stadt. 

Der überzeugenden absoluten Mehrheit bei den GR-Wahlen 1990 folgte die Zweidrittelmehrheit 1995. Diese erreichte die Fraktion 2005, 2010 und 2015, wobei fast alle Stimmen immer Vorzugsstimmen für Karl waren. 

Welch großes politisches Talent Karl ist, zeigte sich nach der GR-Wahl des Jahre 2000. Er zimmerte nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der SPÖ eine Zusammenarbeit von vier Fraktionen und stellte das Gemeinsame über das Trennende. In dieser Konstellation gelangen viele der schon erwähnten Projekte. 

Auch bei einer Zweidrittelmehrheit der eigenen Fraktion wird es nicht leichter, denn das Verbinden der Menschen und die Findung einer Mehrheit findet dann in der eigenen Fraktion statt. Was leichter ist, überfraktionell oder in der eigenen Fraktion Zustimmung zu finden, kann nur Karl selbst beantworten. 

Karl bei der politischen Arbeit beobachten zu können, war immer angewandte Politische Bildung.    

Ich durfte über 18 Jahre in der Fraktion von Karl Schlögl Gemeinderat sein, davon über acht Jahre als Vizebürgermeister und Stadtrat für Kultur und Wissenschaft. Es war eine tolle Zusammenarbeit. 

Lieber Karl, vielen Dank für Deine Arbeit für die Menschen speziell in Purkersdorf. 

Ich wünsche Dir viel Gesundheit und Freude im Kreise Deiner Familie. 

Auf die nächsten Jahrzehnte.      

 

Christian Matzka                                                                       Purkersdorf, 28. Jänner 2025

  

 

10.03.2025