Landbison: Der Wilde Westen ist in Österreich

Walter und Helga Oberhuemer

Es ist eine feine Geschichte: Ein Metzger im oberösterreichischen Grenzgebiet findet mit einer ungewöhnlichen Idee eine Marktnische. Das war vor mehr als 15 Jahren. „Ich bin Metzker, habe den Betrieb meiner Eltern mit 33 übernommen. Davor war ich viel in der Welt unterwegs“, erzählt Walter Oberhuemer, der als Metzger bereits in Pension ist, aber kein bisschen leise.

Eine Vision wird Realität

Doch wie kam es zu der Neuausrichtung damals? Vor etwas mehr als 15 Jahren erfuhr Oberhuemer von einem Bauern in Bayern, der Bisons züchten wollte. Das war der Startschuss für das neue gemeinsame Geschäft. „Wir hab‘n ganz klein begonnen“, erinnert sich Oberhuemer. 

Josef Wiesheu, der Bauer aus Sickenhausen in Bayern, und Walter Oberhuemer starteten ihr Projekt. Der Hauch von Wildem Westen begeisterte die Oberhuemers und das Business wurde gestartet. „Der Sepp importierte die Tiere von Partnerfarmen in den USA und Kanada, er hatte dort tausende Tiere. Auch ich war dort einige Male zu Besuch. In Bayern erhielten die Tiere auf einem alten Militärgelände den Platz den sie brauchen – und das ist richtig viel Platz: zwei Bisons benötigen ein Hektar Weideland“, führt Walter Oberhuemer aus. Nicht ohne Grund ist das Fleisch besonders mager und cholesterinarm und enthält viel Selen.

Bisons auf der Weide

Es waren um die 55 Bullen und ebensoviele Kühe und ihre Kälber. Massentierhaltung gibt es nicht, denn „Bisons kann man nicht einsperren, das willst nicht erleben, was dann los ist“, lacht er. Die Tiere leben ganzjährig im Freien, betreut werden müssen sie, denn wenn sich ein Tier zum Beispiel verletzt, muss man es absondern, sonst würde die Herde „erbarmungslos agieren“.

Zur Fleischgewinnung werden die jungen Bullen mit etwa zwei bis drei Jahren geschossen – das bedeute ein stressfreies Ende. Auch interessant: der Bison ist ein Urwild und wurde nie gekreuzt mit anderen Arten.

"Wir machen alles selber"

„Wir sind ein kleiner Betrieb, eine feine Wursterei“, sagt Oberhuemer und meint auch seine Frau, die ebenso Metzgerin ist, „Wir zerlegen, verarbeiten die Tiere. Wir machen alle Produkte selber: Hartwurst und Salami mit und ohne Trüffel am Montag, Frischwurst wie Prosciutto, Schinken, Bresaola und mehr am Dienstag und Leberkäse und Weißwürste am Mittwoch. Auch Fleischknödel und die Bolognese entstehen im Haus“, erklärt Oberhuemer. Veredelt werden Wurst und Fleisch von Landbison mit Meersalz und Naturgewürzen. Rund 45 Kilogramm Leberkäse, 35 Kilogramm Würstel und 50 Kilogramm Knacker werden wöchentlich produziert.

Ein Highlight ist der Happy Glyks Leberkäse: dieser Bisonleberkäse ist mager nur mit cholesterinarmen Rapsöl gemacht. Erfunden hat ihn der Geschäftsführer der Firma Borbet. Borbet wird von Oberhuemer für die Mittagsküche beliefert, und 800 Mitarbeiter:innen erfreuen sich an den guten Produkten der Metzgerei Landbison – „übrig bleibt bei uns nix“. Er selbst ißt täglich sein Leberkässemmerl mit Gurkerl und Sellerie, "das ist gleich eine Qualitätskontrolle"; außerdem liebt er die Bolognese seiner Frau Helga.

So bietet Landbison eine große Produktpalette aus hochwertigem Bisonfleisch (inzwischen wird von Thomas Obergartner mit seiner Bison Ranch in Langschlag im Waldviertel bezogen), Mangalitzaschwein (von Josef Göltl in Frauenkirchen) und auch Koberind (japanisches Rind) vom Biobauern.

Marktbesuche

Ist alles bereit, fährt das Paar allwöchentlich auf Märkte in Wien und Salzburg – und Purkersdorf, wo Landbison zweiwöchentlich ist: „Hier haben wir die meisten Kunden und Kundinnen. Die beste Zeit ist rund um Weihnachten“. Am allersten Markttag mit Bisonfleisch in Burghausen sei er mit 90 Euro heimgekommen, das habe sich schon lange geändert und er deutet auf seinen wirklich beeindruckenden und schönen großen Wagen. Am Sonntag werde dann gefaulenzt. 

Der 67-Jährige möchte gemeinsam mit seiner Frau Ende 2026 endgültig in Pension gehen. „Dann gehe ich so wie heute mit dem Hund spazieren und wir werden die Tochter und den Sohn öfter sehen, die beide sehr erfolgreich in anderen Jobs tätig sind“, freuen sich Walter und Helga.

16.05.2024