VHS-Zeitreise „Purkersdorf gestern – heute – morgen“ begeisterte über 100 Besucher im BIZ Konzertsaal
Purkersdorf verdankt der Eisenbahn nicht nur seinen Anschluss an Wien, sondern auch ein gutes Stück seiner Identität. Wie eng die Geschichte der Stadt mit jener der Bahn verflochten ist, zeigte die Volkshochschule Purkersdorf Ende April mit dem dritten Abend ihrer Reihe „Purkersdorf gestern – heute – morgen“. Mehr als 100 Besucher drängten in den Konzertsaal des BIZ in der Schwarzhubergasse, um sich auf eine historische Spurensuche durch die Bahngeschichte der Wienerwaldstadt mitzunehmen zu lassen.
Im Zentrum des Abends stand Historiker Dr. Christian Matzka, langjähriger Kustos des Stadtmuseums Purkersdorf und profunder Kenner der lokalen Geschichte. Mit großer Detailkenntnis spannte er den Bogen von den ersten Planungen der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn bis zu aktuellen Diskussionen über die Zukunft der Bahnstandorte in Purkersdorf. Unterstützt wurde er von Gerhard Bürgmann, Gründer der Plattform Purkersdorf-Online, der seltenes Bild- und Filmmaterial zusammengestellt hatte und damit die historischen Erzählungen visuell ergänzte.
„Dr. Matzka hat ein unfassbares Wissen über Purkersdorf und allgemein über die Geschichte. Und das anzuzapfen ist natürlich extrem wertvoll“, sagt Stadträtin Jasmin Klemmer-Schlögl, die für Bildung, Familie und Schulen zuständig ist. Gerade die Verbindung aus wissenschaftlicher Einordnung und anschaulichem Material habe den Abend besonders gemacht.
Im Mittelpunkt stand die Eröffnung der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn im Dezember 1858 – ein Einschnitt, der Purkersdorf nachhaltig verändern sollte. Mit dem Bahnanschluss verlor der Ort zwar seine Bedeutung als klassische Poststation entlang der Wiener Reichsstraße, gewann dafür aber eine völlig neue Rolle als Wohn- und Sommerfrischeort vor den Toren Wiens. Die Einwohnerzahl stieg zwischen 1869 und 1910 von 1.423 auf 3.733 Menschen – ein Wachstum, das ohne die Bahn kaum denkbar gewesen wäre.
Besonders eindrucksvoll war die Erklärung, warum die Trasse mitten durch den Hauptplatz geführt wurde. Die Bahntrasse im schützende Wienerwald galt als geschützter Raum außerhalb der Reichweite feindlicher Artillerie. Bis heute ist Purkersdorf damit der einzige Ort entlang der Westbahn, durch dessen Hauptplatz die Bahn unmittelbar verläuft.
Der Abend lebte jedoch nicht nur von großen historischen Linien, sondern auch von kleinen Details und überraschenden Anekdoten. So erfuhren viele Besucher erstmals, dass Purkersdorf streng genommen nur einen einzigen echten Bahnhof besitzt – während die übrigen Stationen offiziell lediglich Haltestellen sind. Schritt für Schritt zeichnete Matzka die Entwicklung der einzelnen Standorte nach: vom ursprünglichen Bahnhof Unter-Purkersdorf über die 1881 eröffnete Haltestelle Kellerwiese bis zur Station beim Sanatorium, die nach der Eröffnung des berühmten Hoffmann-Sanatoriums Anfang des 20. Jahrhunderts entstand.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch der sogenannte „Pendler“ – ein ungewöhnliches Zugkonzept mit mittig platzierter Lokomotive und Waggons an beiden Enden, das zwischen 1925 und 1972 zwischen Hütteldorf und Unter-Purkersdorf verkehrte und als Besonderheit der österreichischen Nahverkehrsgeschichte gilt.
Was die Reihe von klassischen Vortragsabenden auszeichnet, ist ihre unmittelbare Nähe zur Lebensgeschichte vieler Besucher. „Oft sitzen Menschen im Publikum, die sich selbst, ihre Familie oder ihr Haus auf alten Fotos wiedererkennen", erzählt Klemmer-Schlögl. „Wenn Geschichten über frühere Gebäude erzählt werden und jemand dort gewohnt hat, entsteht eine unmittelbare Verbindung zur eigenen Geschichte."
Ein besonderer Dank gilt auch der Leiterin der VHS, Beatrix Kaukal, die die Veranstaltungsreihe mit großem Engagement organisiert.
Dass dieses Engagement Früchte trägt, zeigt der anhaltende Erfolg der Reihe: Die Mischung aus historischem Wissen, lokaler Erinnerung und persönlicher Betroffenheit hat „Purkersdorf gestern – heute – morgen" längst zu einem fixen Bestandteil des kulturellen Lebens werden lassen. Im Oktober wird die Zeitreise fortgesetzt – dann stehen die Wirtshäuser Purkersdorfs im Mittelpunkt.